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Der Berliner Radsport muss Abschied nehmen von einer Radsport-Legende. Am Pfingstwochenende wurde bekannt, dass der ehemaliger Tandem-Weltmeister und mehrfache WM-Medaillengewinner im Sprint Emanuel Raasch nach längerer Krankheit im Alter von 70 Jahren verstorben ist.

Geboren in Burg bei Magdeburg begann er seine Radsportlaufbahn in Genthin und wechselte 1970 zu Dynamo Magdeburg. Bereits damals orientierte er sich in Richtung Sprint und mit dieser Zielsetzung wechselte er dann auch zur Sportschule beim SC Dynamo Berlin. Bereits in den Jugendklassen fuhr er erste Siege und nationale Titel ein. Auch in der Amateurklasse blieb er weiter erfolgreich, u. a. mit drei DDR-Meistertiteln im Sprint in den 70er Jahren. Als Lokalmatador im Sprint wurde er einer der Publikumslieblinge auf der Berliner Winterbahn in der Werner-Seelenbinder-Halle.

Emanuel Raasch bei den DDR-Meisterschaften 1977 in der Werner-Seelenbinder-Halle

Er war auch gewissermaßen der „Raymond Poulidor des Sprints“, was drei WM-Silber- und eine WM-Bronze-Medaillen zeigen. Auch ihm gelang die „Vergoldung“ im Einzelsprint nie, weil es jeweils noch einen Schnelleren gab, erst Jürgen Geschke (den Vater von Straßenprofi Simon Geschke) und dann Lutz Heßlich, den Doppel-Olympiasieger aus Cottbus.

Obwohl er in den 80er Jahren mehrfach nahe daran war seine Leistungssportkarriere zu beenden, gelang ihm dennoch eine der ausdauerndsten Rennkarrieren unter den Sprintern bis hin zu seiner elften WM-Teilnahme im Alter von 39 Jahren. Und diese Hartnäckigkeit brachte ihm dann auch das langersehnte Gold. Zusammen mit Eyk Pokorny holte er sich 1991 den Weltmeistertitel im Tandem. 1994 folgte noch einmal WM-Silber zusammen mit Jens Glücklich.

Nach seinem Karriereende war er u. a. Sprinttrainer beim RSV Werner-Otto. Weltmeister Robert Förstemann und die mehrfache Deutsche Meisterin Dana Glöß gehörten zu seinen Schützlingen. Er selbst blieb auch nach dem Radsport aktiv. Als Bodybuilder wurde er 2011 Deutscher Meister in der Klasse über 50 Jahre. Zu seiner Vita gehört übrigens auch ein Kinofilm. Im Kultfilm „Lola rennt“ von 1998 hat er einen Auftritt in einer Nebenrolle.

Viele Radsportler die mit ihm oder in seiner Zeit als Trainer aktiv waren, erinnern sich dieser Tage an ihn. Der Berliner Radsport wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Fotos: Nicola, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0 und Bundesarchiv, Bild 183-S0123-0006 / CC-BY-SA 3.0